Arzt-Depesche

Aussicht auf Chronifizierung

Auf einem Symposium im Rahmen des 61. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) wurden verfügbare Therapieoptionen für die Erstlinie beim nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) zusammengefasst sowie über Entscheidungsfindung für die Auswahl der Erstlinientherapie vor dem Hintergrund der vermehrt einsetzbaren Immuntherapien (IO)diskutiert. 

Prof. Martin Reck, Großhansdorf, ging in seinem Beitrag darauf ein, was sich mit den heute verfügbaren zielgerichteten Substanzen und der Immuntherapie im Vergleich zur Chemotherapie (CTx) beim fortgeschrittenen NSCLC verbessert hat. So sieht man mit IO inzwischen 5-Jahresüberlebensdaten von 15 - 20 % beim fortgeschrittenen NSCLC ohne behandelbare Treiberabberationen im Vergleich zur früheren Chemotherapie mit einem 2-Jahresüberleben von 12 %. Er verwies auf die erfolgsversprechenden Daten mit Monotherapien in der Erstlinie bei Patienten ohne Treiberaberrationen mit den zu den Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) zählenden monoklonalen Antikörpern, wie z.B. Cemiplimab, sowie auf die zur Verfügung stehenden Kombinationstherapien aus ICI und CTx. So belegen die Studiendaten der EMPOWER-Lung 1-Studie eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens um 2,5 Monate bei Patienten, bei denen ≥ 50 % der Tumorzellen PD-L1 (programmed cell death-ligand 1) exprimierten und die keine weiteren Treiberabberationen aufwiesen, unter einer Cemiplimab-Monotherapie im Vergleich zu einer platinhaltigen Doublet-CTx. Basierend auf den positiven Studiendaten der EMPOWER-Studien Lung 1 gab der CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Empfehlung für die Zulassung des PD-1 (Programmed cell death protein 1)-Inhibitors Cemiplimab als Monotherapie zur Erstlinienbehandlung für bestimmte Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, deren Tumoren eine PD-L1-Expression von ≥ 50 % aufweisen. Dr. Wilfried E.E. Eberhardt, Essen, fasste zusammen, dass zu den Entscheidungskriterien für die Auswahl der Erstlinientherapie, ob Mono- oder Kombinationstherapie, in erster Linie der PD-L1 Expressionsstatus, die Raucherhistorie sowie der Remissionsdruck zählen, wobei die Patientenfitness und -präferenz individuell mit zu beachten sind. Einfluss auf die Auswahl der Therapie haben zudem cerebrale und hepatische Metastasen, eine oligometastatische Erkrankung, die bisherige Krankheitsdynamik, aber auch die Compliance zur Therapie und die eigentliche Tumorkrankheit. Bei Progression nach der Erstlinientherapie ist ein individuelles Vorgehen entscheidend, so erklärte Dr. Amanda Tufman, München. Dabei hängt die Entscheidungen vom Ansprechen auf die Erstlinientherapie, der Zeit zur Progression, von der Art der Progression und vom Allgemeinzustand des Patienten ab, wobei nach einer IO meist eine Chemotherapie-Doublette und nach einer Kombinationstherapie Docetaxel mit VEGF(Vascular endothelial growth factor)-Hemmung indiziert ist. GH
Quelle:

SYMPOSIUM:  Im Zeitalter der Immuntherapie beim NSCLC – Entscheidungsfindung heute und morgen; 4.06.2021; DGP 2021; Virtuell.
Veranstalter: Sanofi Genzyme Onkologie; Cemiplimab: Libtayo®

 

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