Supportive & palliative Medizin

Arzt-Depesche 2/2018

CIPN trifft Adipöse besonders hart

Ein Großteil aller Krebspatienten leidet an Chemotherapie-induzierter peripherer Neuropathie (CIPN), und viele Krebspatienten sind übergewichtig. Wie sehr eine Adipositas die CIPN-Schmerzen und die dadurch verursachte Belastung beeinflusst, ist bisher jedoch kaum erforscht. Aufschluss geben nun Daten aus den USA.

Etwa 30 bis 68% aller chemotherapierten Krebspatienten leiden an einer CIPN. Die Erkrankung äußert sich in sensorischen, vegetativen und motorischen Störungen, vor allem aber in Form von sensorischen Schmerzen. Meist sind Hände und Füße betroffen. Ein wirksames Mittel zur Prävention gibt es bisher nicht, so dass Dosisreduktionen oder ein Therapiestopp meist die einzigen Möglichkeiten sind, eine schwere CIPN zu lindern. Zudem kann eine CIPN auch lange nach Beendigung der Therapie bestehen bleiben. Der Leidensdruck der Betroffenen ist oft sehr hoch. Eine Adipositas macht die Situation noch schlimmer. Denn starkes Übergewicht vermindert an sich schon die Lebensqualität von Krebsüberlebenden, und ist darüber hinaus eng mit der Entstehung von Schmerzen und erhöhter Schmerzempfindlichkeit verknüpft. Dies verdeutlicht auch eine Datenanalyse von 86 onkologischen Patienten, die an einem US-amerikanischen Zentrum chemotherapeutisch behandelt wurden und nachfolgend eine CIPN entwickelten. In einem Fragebogen bewerteten die Betroffenen anhand einer 10-Punkte-Skala die Schwere ihrer Symptome und wie stark sie davon funktionell eingeschränkt wurden. Adipöse Patienten (BMI ≥30 kg/m²) gaben gegenüber schlankeren Patienten durchschnittlich eine signifikant stärkere Symptomschwere an (32,89 vs. 19,35). Zudem benannten die dicken Patienten im Vergleich fast doppelt so viele Schmerzdeskriptoren (z. B. brennend, bohrend, stechend usw.). Hinsichtlich des Ausmaßes an Funktionseinschränkungen fand man keinen BMI-abhängigen Unterschied. Stattdessen erwies sich hier das Alter der Patienten als ein wichtiger Belastungsprädiktor. Die seit der Therapie vergangene Zeit war für alle der genannten Parameter ausschlaggebend. Die Erkenntnis, dass stark übergewichtige Krebspatienten von einer CIPN besonders heftig betroffen sind, ist wichtig, um Risikopatienten rechtzeitig identifizieren und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Vor allem körperliche Aktivität und kognitive Verhaltenstherapien haben sich als wirksame Mittel zur Gewichtsreduktion bei CIPN erwiesen. OH

Quelle:

Cox-Martin E et al.: Disease burden and pain in obese cancer patients with chemotherapy- induced peripheral neuropathy. Support Care Cancer 2017; 25(6): 1873-9

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