Psoiasis

Arzt-Depesche 2/2020

Crosstalk zwischen Gehirn und Haut

Die E Erschließung der Funktionsweise von Neuroimmun-Netzwerken bei Psoriasis (PS) wird nicht nur helfen, diese besser zu verstehen, sondern auch Wege zu neuen Therapien aufweisen.
Für zahlreiche Hautkrankheiten, eingeschlossen Psoriasis, wurden Querverbindungen zwischen dem Nervensystem und den Hautimmunzellen beschrieben, was zu der Vermutung führte, dass neben einer Fehlregulation der Homöostase auch das Nervensystem eine Rolle in der Pathogenese der PS spielt. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass sensorische Nerven direkt oder indirekt durch eine Vielzahl von exogenen oder auch endogenen Psoriasis-Triggern aktiviert werden können. Letzteres weist auf eine bedeutende primäre oder auch sekundäre Rolle des Nervensystems bei der Vermittlung von Entzündungen bei PS hin.
 
Stress und das Nervensystem
Das Zentralnervensystem (ZNS) reagiert auf Stress mit der Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren- Achse (hypothalamic-pituitaryadrenal, HPA) und des symphatischen Nervensystems (SNS). Es kommt zur Freisetzung des Corticotropin-Releasing- Hormons (CRH) durch den Hypothalamus, was über eine weitere Sekretionskaskade zur Ausschüttung von Glucocorticoiden (GC) ins Blut führt. Eine ähnlich funktionierende periphere HPA-Achse agiert in der Haut, die über Haut- und Immunzellen zur Sekretion von CRH führt. Die Aktivierung des CRHSystems in der Haut kann wiederum eine hormonelle Reaktion hervorrufen, die die Ausschüttung von das ZNS aktivierenden Hormonen, wie GC und Katecholaminen, bedingt. Letztere fungieren auch als Messenger zum Immunsystem, indem sie IL(Interleukin)-12 und somit die T-Helferzellen über die Produktion von Interferon-g und des Tumornekrosefaktor( TNF)-a unterdrückten.
 
Die Psyche und Psoriasis
Chronischer Stress kann über die Aktivierung der HPA-Achse und des vegetativen Nervensystems zu einer konstanten Hochregulation von proinflflammatorischen Zytokinen, wie IL-1, IL-6 und TNF-α führen, was auch bei schweren depressiven Störungen zu beobachten war. So verbesserten sich bei depressiven PSPatienten, die mit Etanercept, einem Anti- TNF-a-Antikörperkonjugat behandelt worden waren, nicht nur die Psoriasis-, sondern auch die depressiven Symptome. Auch Cortisol, Adrenalin und Dehydroepiandrosteron (DHEA) sowie molekulare Stressmediatoren, wie das vasoaktive intestinale Peptid (VIP), das Pituitary-Adenylat- Cyclase-activating-Peptid (PACAP) und das Calcitonin-Gene-related-Peptid (CGRP) spielten bei durch psychischen Stress bedingter PS eine Rolle. Man fand heraus, dass für die Exozytose von Neuropeptiden an den Nervenenden die TRPKanäle (TRP: transient receptor potential channels) wichtig sind. Eine Unterfamilie, die TRPV (Vanilloid-Rezeptor-Unterfamilie), wird aufgrund ihrer Beteiligung an der Expression von pro-inflflammatorischen Signaturgenen als ein potenzielles therapeutisches Target untersucht. Auch die Neuropeptide NGF (nerve growth factor) und SP (Subtanz P) wurden vermehrt bei Stress-induzierter PS nachgewiesen.
 
Pruritus bei Psoriasis
Neueste Forschungsergebnisse deuten daraufhin, dass chronischer Schmerz und chronischer Pruritus die Plastizität der Interneuronen, Mikroglia und Astrozyten im Rückenmark sowie im Gehirn verändern und somit zur Chronififizierung sowie zu Depressionen und Angst beitragen.
Auch wenn Ärzte des Öfteren PS nicht als eine pruriginöse Erkrankung betrachten, leiden 70–80 % der PS-Patienten unter Juckreiz, der aber nicht auf antipruriginöse Medikamente anspricht. Man vermutet, dass diese Symptome durch Unterschiede in der Innervation und wegen eines Ungleichgewichts der Neuropeptidkonzentration in der psoriatischen Haut hervorgerufen werden.
Als einen weiteren Mediator zwischen Nerven, Entzündungen, Schmerz und auch Pruritus verdächtigt Proteasen: Man nimmt an, dass Neuropeptide der Haut die Expression und/oder die Aktivität von Proteasen in der Haut induzieren.
Zudem stehen Opioide in der Haut im Verdacht, Pruritus bei Patienten mit PS hervorzurufen. So konnte man zeigen, dass der Spiegel der k-Rezeptoren (KOR), eine Untergruppe der Opioidrezeptoren, bei PS-Patienten mit Juckreiz niedriger war als bei gesunden Probanden. Die hier beschriebenen Merkmale einer „Gehirn- Haut-Achse“, bestehend aus Mastzellen, NGF, SP, zahlreichen Neuropeptiden und einer kutanen HPA-ähnliche Achse, bieten viele Möglichkeiten, gezielte Therapien zu entwickeln.
Nun müssen in klinischen Studien neuromodulatorische Substanzen auf ihre Wirksamkeit bei PS-bedingten Entzündungsprozessen und/oder Begleitsymptome, wie Juckreiz und Schmerz, untersucht werden. GH
Quelle: Ayasse MT et al.: Role of Neuroimmune Circuits and Pruritus in Psoriasis. Exp Dermatol 2020; 10.1111/exd.14071; doi: 10.1111/ exd.140710
ICD-Codes: L40.9
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