Varia | Arzt-Depesche 2/2018

Glioblastom: Überleben verlängern mit Tumortherapiefeldern

Die jährliche Inzidenz des Glioblastoms, dem häufigsten aggressiven primären Hirntumor, beträgt 3,2 pro 100 000. Nur einer von vier Betroffenen lebt zwei Jahre nach Diagnose noch, und nach fünf Jahren sind es nur noch 5 bis 10%. Bislang bestand der Therapiestandard in der Tumorresektion, gefolgt von einer kombinierten Radio-/Chemotherapie mit Temozolomid und anschließender Temozolomid-Erhaltungstherapie. Nun zeigte eine in JAMA hochrangig publizierte Studie, dass die zusätzliche Therapie mit Tumortherapiefeldern (TTFields) das progressionsfreie und das Gesamtüberleben signifikant verlängern kann. Bei dieser Therapie werden elektrische Wechselfelder nicht-invasiv lokal-kranial appliziert, die auf die maligne entarteten Zellen im Gehirn eine anti-proliferative Wirkung haben.

Bei der Therapie mit Tumortherapiefeldern „TTFields“ werden über vier Heftplaster mit Keramikgel-Pads (so genannte Transducer Arrays), die auf der enthaarten Kopfhaut fixiert werden, elektrische Wechselfelder (200 kHz) appliziert. Verbunden werden die Pads mit einem mobilen, batteriebetriebenem Therapiegerät. Die Platzierung der Pads wird auf Basis der Bilddaten des kraniellen MRT berechnet. Das ermöglicht die Maximierung der Therapie-Wirkung auf den Tumor. Das niedrig-energetische Feld führt in maligne entartete Zellen zum Mitose-Stopp und zur Apoptose. Ein Effekt ist dabei, dass sich die Mikrotubuli in der sich teilenden Zelle nicht wie gewohnt ausbilden können, und sich die DNA während der Zellteilung nicht korrekt in die beiden neu entstehenden Zellen verteilen kann. Ruhende Zellen werden nicht negativ beeinflusst. 43% der Patienten nach zwei Jahren noch am Leben In die randomisierte Phase-3-Studie wurden 695 Patienten mit Glioblastom mit einem Mindestalter von 18 Jahren eingeschlossen, bei denen der Tumor reseziert bzw. biopsiert worden war und bei denen eine Radiochemotherapie erfolgte. Rekrutiert wurden sie in Zentren weltweit. Der Karnofsky- Performance-Index sollte mindestens 70 betragen, da ab diesem Wert davon ausgegangen werden kann, dass die Patienten unabhängig am täglichen Leben teilhaben können. Randomisiert erhielten sie entweder eine TTFields-Therapie plus Temozolomid-Erhaltungstherapie oder nur Temozolomid. Alle zwei Monate erfolgte die Befundkontrolle mittels MRT. Alle MRT-Bilder wurden von unabhängigen Radiologen bewertet. Nach einem medianen Follow-up von 40 Monaten (mindestens 24 Monate) war das mediane progressionsfreie Überleben (PFS, primärer Endpunkt) in der TTFields-Gruppe mit 6,7 Monaten signifikant länger als in der Kontrollgruppe (vs. 4,0 Monate; HR 0,63; 95% KI 0,52-0,76; p<0,001). Auch das mediane Gesamtüberleben (OS, gepowerter sekundärer Endpunkt) zeigte sich mit der Wechselfeld-Therapie signifikant verlängert (20,9 vs. 16,0 Monate; p<0,001). Zwei Jahre nach Randomisierung waren in der TTFields-Gruppe noch 43% am Leben (versus nur 31% in der Kontrollgruppe); nach fünf Jahren waren es 13 vs. 5%. Folgende Faktoren waren dabei unabhängig mit einem längeren Überleben assoziiert: TTFieldsTherapie (HR 0,63), weibliches Geschlecht (HR 0,76), methylierter MGMT-Promoter (HR 0,50), jüngeres Alter (als kontinuierliche Variable; HR 0,978) und höherer Karnofsky-Performance-Index (=geringere Gebrechlichkeit). Einzig nennenswerte Nebenwirkung: Bei etwa der Hälfte der TTFields-Patienten kam es zu milden bis moderaten Kopfhautreaktionen. CB

Quelle:

Stupp R et al.: Effect of tumor-treating fields plus maintenance ... JAMA 2017; 318(23): 2306-16

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