Varia | Arzt-Depesche 4/2018

Hoffnung versus Realismus

Immer häufiger erhalten auch ältere Patienten (≥65 Jahre) mit terminaler Niereninsuffizienz die Chance auf eine Transplantation. An das Leben danach haben sie oft große Erwartungen, aber nicht ohne eine gesunde Portion Realismus.

Einen Einblick in die typischen Sorgen und Hoffnungen älterer Transplantatkandidaten gibt eine aktuelle qualitative Interview-Studie aus Norwegen. Darin befragte man 15 Nierentransplantat-Kandidaten im Alter zwischen 65 und 82 Jahren, wie sie ihr Leben mit der Dialyse empfanden und wie sie sich das Leben nach der Transplantation vorstellten.
Aus ihren Antworten kristallisierten sich zwei wesentliche Erwartungshaltungen heraus: Mit einer neuen Niere erhofften sich die Patienten, wieder „ein normales Leben führen zu können“ und „verpasste Chancen zu ergreifen“. Sie wünschten sich, ihre für das Rentenalter gefassten Pläne, die sie durch die Dialysepflicht aufgeben mussten, endlich umsetzen zu können. Dazu zählten einfache Vorhaben wie kleine Ausflüge im Alltag oder auch größere Pläne wie das Gründen einer Band. Die Möglichkeit zu verreisen, war allen Patienten ein sehr wichtiges Anliegen.
Ihre Vorstellungen von ihrem Gesundheitszustand nach der Transplantation waren dabei durchaus realistisch. Allen Kandidaten war klar, dass die Operation vielleicht ihren Zustand verbessern würde, allerdings im Rahmen ihres entsprechenden Alters und den damit einhergehenden Begrenzungen. Ärzten soll diese Information helfen, ältere Patienten während der Zeit auf der Warteliste besser zu unterstützen. OH

Quelle:

Lønning K et al.: Older kidney transplantation candidates‘ expectations of improvement in life and health following kidney transplantation: semistructured interviews with enlisted dialysis patients aged 65 years and older. BMJ Open 2018; 8: e021275

ICD-Codes: T86.1

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