Lymphom | Arzt-Depesche 9/2019

ICI – Therapie der Zukunft?

Ein Review beschäftigte sich jetzt mit den Mechanismen, die der Expression und Funktion von PD-1 (programmed cell death protein 1) und PD-L (PD-1-Ligand) beim HL (Hodgkin-Lymphom) zugrunde liegen mit speziellem Fokus auf den daraus erwachsenden Konsequenzen für deren Anwendung in der Therapie des HL.
Bedingt durch gehäuft auftretende genetische Alterationen in PDL1-/PDL2-/JAK2 (Janus kinase 2) in den für HL charakteristischen malignen Hodgkon- Sternberg-Reed(HRS)-Zellen sowie der Korrelation mit Epstein-Barr-Virus(EBV)-Infektionen bei HL weisen diese eine hohe Expression der PD-L1/ PD-L2 auf.
2014 wurde Nivolumab, ein monoklonaler AK gegen den PD-1-Rezeptor auf T-Zellen, zur Behandlung von therapieresistentem HL zugelassen. Die Entwicklung und Zulassung weiterer PD-1/ PD-L1-Checkpoint-Inhibitoren folgte. Die Anti- PD-1-Monotherapie erreichte dabei die höchste Effizienz mit einer Ansprechrate von 50 bis 80 % bei rezidivierendem bzw. refraktärem HL, das häufig eine hohe Anzahl PD-1-positiver den Tumor infiltrierender T-Zellen aufwies. Doch nicht in allen Fällen erlaubt die Bestimmung der PD-1- und PD-L1- Expressionslevel eine Aussage über die Erfolgsaussichten einer Behandlung mit PD-1- und PD-L1-Inhibitoren. Aktuell genutzte Parameter zur Bestimmung der Erfolgsaussichten einer Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) beinhalten die Bestimmung des IFN-y-Serumspiegels (Interferon-y), der Tumormutationslast (Tumor mutational burden, TMB), der Anzahl CD-8-positiver Zellen (cluster of differentiation 8, CD-8) sowie die Dichte Tumor-infiltrierender Immunzellen.
Nicht zu unterschätzen sind bei der Behandlung des HL auch Faktoren der Angiogenese und die Rolle extrazellulärer Vesikel. Beim HL wurde eine Korrelation zwischen PD-L1 -/PD-L2- Expression mit der Expression des VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) und der Dichte von Mikrogefäßen festgestellt.
Beim Einsatz von PD-1-Inhibitoren bei verschiedenen Krebserkrankungen betrug die allgemeine Häufigkeit von Nebenwirkungen 26,82 % und die Rate der durch Toxizität bedingten Todesfälle 0,17 %. Zudem gibt es vereinzelt Daten über eine „Hyperprogression“ der Erkrankung nach Einsatz von PD-1- und PD-L1-Inhibitoren.
ICI‘s sind im Moment vorwiegend bei rezidivierenden und progredienten Erkrankungen zugelassen und untersucht. Offen ist noch, wann der beste und erfolgversprechendste Zeitpunkt des Beginns einer Anti-PD-1- Therapie ist und welche Kombinationstherapien passend sind. GH

Quelle: De Re V et al.: Classical hodgkin‘s lymphoma in the era of immune checkpoint inhibition. J Clin Med. 2019; 8(10). pii: E1596. doi: 10.3390/jcm8101596
ICD-Codes: C81.9

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