Varia | Arzt-Depesche 9/2019

Krebspatienten bewegen sich zu wenig

Sport hilft Krebspatienten und ehemaligen Krebspatienten gegen viele Phänomene, wie Angst, Fatigue und Depressionen, die die Lebensqualität stark beeinflussen können. Doch trotz Empfehlungen dafür, wie viel Sport diese Patientengruppen treiben sollten, bewegen sich weniger als die Hälfte ausreichend.
Das American College of Sports Medicine hat seine Empfehlungen für Bewegung zur Krebsprävention und für die Prävention und Vorbeugung bei verschiedenen Outcomes bei Krebserkrankungen, wie Fatigue, Angst, Depression, Funktionalität und Lebensqualität, überarbeitet. Eine Analyse von mehr als 9.000 Krebsüberlebenden zeigte, dass nur zwischen 30 % und 47 % von ihnen den aktuellen Empfehlungen für Bewegung gerecht wurden. In einer anderen Untersuchung trieben nur etwa 45 % der Krebsüberlebenden regelmäßig Sport, wobei der Prozentsatz von der Lokalisierung des Krebses abhing und von 32 % bei Brustkrebs bis 53 % bei Prostatakrebs variierte.
Ein Grund dafür ist, dass vielen der Mitarbeiter im Gesundheitssystem unklar ist, wie viel Bewegung die Patienten brauchen und wie sie die Patienten beraten sollten. Die neuen Empfehlungen sollen diese Lücke schließen, und sowohl Ärzte, Patienten und Mitarbeiter im Gesundheitssystem auf das zunehmende Wissen um die Bedeutung von körperlicher Betätigung bei Krebs hinweisen. Ärzte sollten entsprechenden Patienten raten, entweder allein zu Hause oder auch in Gemeinschaft Sport zu treiben; wenn ärztliche Überwachung notwendig ist, kommt auch Sport unter ambulanter Überwachung infrage, damit ein Arzt eingreifen kann, wenn das notwendig werden sollte. Das erfordert allerdings die Koordination von Mitarbeitern im Gesundheitssystem und Verhaltensänderungen bei Ärzten, Patienten und den Institutionen, in denen solche Sportprogramme durchgeführt werden können.
Patienten sollen sich grundsätzlich in angemessener Weise und in regelmäßigen Abständen körperlich betätigen. Sie sollten im täglichen Leben weniger sitzen und sich mehr bewegen. Um das zu erreichen, sollte in die Standardberatung von Krebspatienten eine entsprechende Empfehlung eingeflochten werden. Es ist wichtig zu erkennen, dass Patienten im Allgemeinen nicht auf ein einziges mögliches Setting beschränkt sind, die oben angerissenen zwei Grundtypen (ambulant überwachter Sport und Sport allein oder in der Gruppe) sind lediglich Beispiele. MR

Quelle: Schmitz KH et al.: Exercise Is Medicine in Oncology: Engaging Clinicians to Help Patients Move Through Cancer. Cancer J Clin 2019; 0: 1-17

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