Varia

Arzt-Depesche 2/2021

Lungenkarzinom durch Zellaspiration

Die Übertragung maligner Zellen von der Mutter auf ihr ungeborenes Kind stellt eine Rarität dar. Japanische Forscher schilderten im New England Journal of Medicine zwei entsprechende Fälle.
Die Forscher berichteten über einen 23 Monate alten Jungen, bei dem sich in der Computertomographie (CT) aufgrund eines produktiven Hustens ein bilateraler, disseminierter Tumorbefall entlang des Bronchialbaums zeigte. Bei seiner Mutter war drei Monate nach der Vaginalgeburt des Kindes ein Plattenepithelkarzinom der Zervix diagnostiziert worden. Anhand der histologischen und molekulargenetischen Tumorprofile von Mutter und Kind konnten die Forscher nachweisen, dass es sich bei dem Lungenkarzinom des Kindes um eine Absiedelung des maternalen Zervixkarzinoms handelte. Trotz Chemotherapie verlief die Tumorerkrankung allerdings progredient, sodass das Kind im Rahmen einer klinischen Studie mit Nivolumab behandelt wurde. Unter dieser Therapie bildeten sich alle Herde zurück und es traten über mehrere Monate keine weiteren auf. Zwölf Monate später war der Junge anhaltend rezidivfrei. Seine Mutter verstarb hingegen an einem Tumorprogress.
Bei dem zweiten Patienten handelte es sich um einen sechs Jahre alten Jungen mit einem inoperablen, großen, muzinösen Adenokarzinom am linken Lungenhilus. Nach seiner Geburt war bei der Mutter ein Zervixpolyp histologisch abgeklärt und als Adenokarzinom eingestuft worden, an dem die Mutter zwei Jahre später verstarb. Der Tumor des Jungen sprach zunächst auf eine Chemotherapie an, rezidivierte im Verlauf jedoch in der linken Lunge, sodass eine linksseitige Pneumonektomie erfolgte. Fünfzehn Monate nach der Operation lebte der Junge ohne Tumorrezidiv. Auch in diesem Fall konnten die Forscher molekulargenetisch belegen, dass es sich bei dem Lungenkarzinom des Kindes um eine Absiedelung des maternalen Zervixkarzinoms handelte. VW
Quelle: Arakawa A et al.: Vaginal transmission of cancer from mothers with cervical cancer to infants. N Engl J Med 2021; 384(1): 42–50; doi: 10.1056/ NEJMoa2030391
ICD-Codes: C34.9
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