Ovarialkarzinom | Arzt-Depesche 5/2020

Magmas und Eierstockkrebs

Ausgehend von der Pathogenese v von „high-grade“ serösen Ovarialkarzinomen (HGSOC) werden verschiedene neue Behandlungsstrategien für das OC (Ovarialkarzinom) vorgestellt.
Durch Studien bewiesen ist, dass HGSO-Karzinome ihren Ursprung in den fransenförmigen Ausläufern des Eileiters haben. Als einen weiteren Ursprung vermutet man kortikale Inklusionzysten (cortical inclusion cysts, CICs) der Eierstöcke. Noch komplexer gestaltet sich das OC durch die während der Progression auftretende intra- und intertumorale Heterogenität. Diese Heterogenität entsteht vor allem durch genetische sowie epigenetische Veränderungen und der dadurch angetriebenen klonalen Expansion vor allem auch von Krebsstammzellen (cancer stem cells, CSCs). Diese Zellen sind anpassungsfähiger an sich veränderndes Mikromillieu und behandlungsresistenter.
Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Magma, ein Mitochondrienassoziiertes Signalmolekül des GM-CSF (granulocyte macrophage colony stimulating factor), das essenziell für die Lebensfähigkeit von eukaryontischen Zellen und in HGSOC hoch exprimiert ist. In Zellkulturstudien an Glioblastomzellen und -stammzellen konnte inzwischen gezeigt werden, dass ein Magma- Inhibitor, BT#9, die Proliferation sowie Migration dieser reduzierte.
Als weitere Behandlungsansätze nutzt man zum Beispiel die Überexpression des Folsäurerezeptors (FR) in OC-Zellen, um einen mit Maytansinoid beladenen Anti-FRα-Antikörper zur Behandlung einzusetzen. Auch an Nanopartikel gekoppelte Medikamente, von denen man sich eine präzisere Dosierung der Medikation erhofft, wurden entwickelt. Auf dem Gebiet der Immuntherapie werden Kombinationen aus verschiedenen Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI), aber auch Kombinationen aus ICI und Chemotherapeutika oder epigenetischen Therapien sowie Kombinationen aus Angiogenesehemmern und PARP(Poly[ADP-Ribose]-Polymerasen)- Inhibitoren in klinischen Studien untersucht. Des Weiteren findet die metronomische Chemotherapie entweder als alleinige Therapie oder in Kombination mit ICIs Anwendung. Ein innovativer Ansatz ist das aus Patientenmaterial gewonnene Tumor-Organoid- Modelling, mithilfe dessen man vorab ein Medikamenten- Screening durchführen kann. Angewendet werden zudem CSCbasierte Therapien, die auf spezifische Oberflächenrezeptoren und intrazelluläre Marker von CSC abzielen. Nicht zuletzt versucht man basierend auf den spezifischen metabolischen Profilen von OC-Zellen und CSCs passende Inhibitoren einzusetzen. GH
Quelle: Ahmed N et al.: Ovarian Cancer, Cancer Stem Cells and Current Treatment Strategies: A Potential Role of Magmas in the Current Treatment Methods. Cells 2020; 9(3): 719; Published 2020 Mar 14; doi: 10.3390/cells9030719
ICD-Codes: C56

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