Misteltherapie | Arzt-Depesche 5/2020

Mistel wirkt unterstützend

Im Zusammenhang mit der Anwendung v von Misteltherapie im Kampf gegen Krebs wurde nun in einem Übersichtsartikel zusammengefasst, welchen Einfluss Misteln, Viscum album L. (VA), auf die verschiedenen Signalpfade grundlegender zellulärer Prozesse und immunologischer Reaktionen des Körpers haben.
Die Misteltherapie ist in verschiedenen europäischen Ländern eine der meist genutzten integrativen onkologischen Zusatztherapien bei Krebsbehandlungen. Ziel ist dabei die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und die Reduktion von Nebenwirkungen (adverse events, AEs) der konventionellen aber auch modernen Antikrebsstrategien.
VA-Extrakte enthalten Lektine und Visco- Toxine, die immunomodulatorische Effekte zwischen Immunsystem und Krebs bewirken. So konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass die Applikation von VA-Extrakten zum Anstieg der Zahl von Leukozyten, Granulozyten, Eosinophilen sowie des Zytokinspiegels führte und auch die Produktion spezifischer Antikörper gegen Lektine und Viscotoxine hervorrief. Bei Brustkrebspatienten kam es durch die subkutane Injektion von VA-Lektinen zur Stimulation von NK(naturell killer)- und T-Helfer-Zellen. Wiederum bei Brustkrebspatientinnen konnte durch die intravenöse Gabe von VA-Extrakten der operativinduzierten Inhibition des oxidativen Burst in Granulozyten vorgebeugt werden.
Aufgrund der Komplexizität der Tumorentstehung erhofft man sich durch die Kombination von Immunotherapien und der VA-Zusatztherapie eine synergistische Wirkung bei der Krebsbehandlung, da dadurch mehrere zelluläre Signalpfade adressiert werden können.
In Studien konnte gezeigt werden, dass manche sekundäre Pflanzenstoffe aus VAExtrakten in der Lage sind, die COX(Cyclooxygenase)- 2-Expression spezifisch zu reduzieren, die hochreguliert mit einer schlechten Prognose bei Krebserkrankungen korrelierte.
Klinische Studien belegten, dass VA-Behandlungen Einfluss auf die Lebensqualität hatten und Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung reduzierten. So kann VA durch eine ausgeglichene Interaktion mit komplexen immunologischen Signalpfaden einerseits zur Eliminierung von Krebszellen beitragen , aber auch standardisierte onkologische Strategien unterstützen durch Verringerung von deren Nebenwirkungen. Dies hat wiederum einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und könnte somit die Toleranz und Einhaltung von Krebstherapien verbessern. GH
Quelle: Oei SL et al.: Mistletoe and Immunomodulation: Insights and Implications for Anticancer Therapies. Evid Based Complement Alternat Med 2019; 2019:5893017; doi: 10.1155/2019/5893017

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