Die dritte Seite | Arzt-Depesche 3/2019

Nur ein Vorurteil? Mittwochs auf dem Golfplatz

Zumindest in den USA ist es ein häufig gehörtes Klischee: Der wohlhabende Arzt trifft sich am Mittwoch nachmittags gern mit seinen Kollegen zum Golfspiel. Aber was ist wirklich dran an diesem Stereotyp? Und welche Ärzte sind die besten Spieler?

Um diese Fragen zu beantworten, sah eine Arbeitsgruppe aus den USA einmal nach, wie viele Ärzte bei der US Golfing Association registriert sind. Man kam auf eine Zahl von 41.692 (Stand August 2018). Der typische Golfer war männlich (89,5 % aller golfenden Ärzte) und im Schnitt 55,2 Jahre alt, wobei die 61- bis 70-Jährigen den größten Anteil stellten (6,9 %).
Orthopädische Chirurgen (8,81 %), Urologen (8,1 %) und plastische Chirurgen (7,5 %) griffen am häufigsten zum Schläger, am wenigsten Golfer fand man bei den Internisten und Infektionsmedizinern (< 3 %). Das durchschnittliche Handicap – ein Maß für die spielerische Leistung (je niedriger, desto besser) – lag im Schnitt bei 16 und war damit etwas schlechter als der Durchschnittswert nicht medizinischer Freizeitgolfer. Als die besten Golfer entpuppten sich Gefäß-, Thorax- und orthopädische Chirurgen, während Endokrinologen, Dermatologen und Onkologen das größte Handicap aufwiesen.
In den letzten sechs Monaten hatten männliche Ärzte im Schnitt 14,8-mal den Golfplatz besucht, weibliche Ärzte 12,1-mal. Zumindest in den USA scheint Golf also tatsächlich bei Medizinern ein recht beliebter Freizeitsport zu sein. Bisher nicht untersucht ist, inwiefern sich der Sport auf die berufliche Leistung bzw. das Wohl der Patienten auswirkt. Böse Zungen könnten den Ärzten vorwerfen, sie sollten ihre Zeit statt in das Golfspiel besser in die Perfektion ihrer medizinischen Fähigkeiten investieren. Möglicherweise ist der ruhige Sport aber auch eine gute Möglichkeit, den stressigen Berufsalltag auszugleichen und dadurch auch in der Praxis besser zu punkten. OH

Quelle:

Koplewitz et al.: Golf habits among physicians and surgeons: observational cohort study. BMJ 2018; 363: k4859

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