Allergologie | Arzt-Depesche 9/2020

Pferdeallergien

Pferdeallergien sind nicht selten, können sich vielfältig klinisch manifestieren, werden aber in der Literatur wenig diskutiert. Dieser Review fasst die Literatur über Pferdeallergien zusammen, die eine PubMed- Suche ergab.
Allergien gegen Pferde treten häufiger bei Personengruppen auf, die regelmäßig Kontakt mit den Tieren haben. Nicht gut untersucht ist, wie groß der Anteil von Pferdeallergikern in der allgemeinen Bevölkerung ist. Zwei Studien ergaben Raten von 3,43 % und 5,38 %, wobei 82 % bzw. über 50 % dieser Allergiker zuvor keinen Kontakt zu Pferden gehabt hatten. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Formen der Allergenexposition in Studien identifiziert, zu denen die Übertragung durch die Luft und die indirekte Exposition beispielsweise durch Kleidung und Kreuzreaktionen zählen.
Bis heute sind fünf Pferdeantigene bekannt, von denen zwei der Lipocalin-Familie zuzuordnen sind und auf welche bis zu 76 % der Pferdeallergiker reagieren. Lipocaline kommen vor im Urin, Speichel und in Hautschuppen, sind zwischen verschiedenen Tieren stark homolog, was zu Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Spezies führt, beispielsweise Pferd, Katze und Hund. Ein weiteres Pferdeantigen, ein Pferdealbumin, findet sich in Hautschuppen, ist vermutlich die Hauptursache für Pferdeallergien und auch hier gibt es Kreuzreaktionen, denn Serumalbumine verschiedener Spezies zeigen große homologe Bereiche. Ein viertes, ein Latherin, tritt in Speichel und Schweiß auf und ist ebenfalls ein häufiges Allergen. Das fünfte, ein Lysozym, kommt vermutlich in der Haut und in Lebensmitteln vor. Die Autoren einer Studie warnen vor Stutenmilch, die von Pferden stammt, wenn Patienten allergisch gegen Eselmilch sind. Auch als Bestandteil von Kosmetika kann Stutenmilch allergische Reaktionen verursachen. Außerdem wurde von Reaktionen gegen Pferdefleisch berichtet.
Klinisch manifestieren sich Pferdeallergien als allergische Rhinitis, Asthma, generalisierte Urtikaria und Anaphylaxie. Inhalierbare Pferdeantigene sind die vorwiegenden Trigger für kindliches Asthma; Speichel kann Kontakturtikaria hervorrufen. Allergene aus der Luft sind nur selten an einer Anaphylaxie beteiligt; über Pferdespeichel in einer Bisswunde als Ursache wurde berichtet. Auch wenn mehrere der berichteten Anaphylaxiefälle tatsächlich eine im Erscheinungsbild sehr ähnliche lokal induzierte Multisystemreaktion gewesen sein können, scheint eine schnelle Behandlung mit Epinephrin angemessen. MR
Quelle: Davenport J et al.: Equine Hypersensitivity: the Dark Horse of Allergy. Clin Rev Allergy Immunol. 2020; doi: 10.1007/s12016-020-08807-4
ICD-Codes: J30.3

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