Psoriasis | Arzt-Depesche 6/2020

Psoriasis – eine Systemerkrankung

In einem Übersichtsartikel wurden pathophysiologischen Zusammenhänge zwischen Psoriasis und deren Begleiterkrankungen zusammengefasst und die darauf beruhenden neuen Behandlungsstrategien erörtert.
Psoriasis ist eine immunvermittelte, chronische Erkrankung, die 2–2,5 % der deutschen Bevölkerung und etwa 125 Millionen Patienten weltweit betrifft. Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine systemische Erkrankung. Deshalb vermutet man, dass eine frühzeitige systemische Therapie, die auf proinflammatorische mit der Pathogenese der Psoriasis assoziierte Zytokine abzielt, nicht nur die Hautsymptome lindert, sondern auch die systemischen Entzündungen mildert und somit auch die Progression von Begleiterkrankungen aufhält. Dazu bedarf es jedoch neuer optimierter Behandlungsstrategien, basierend auf der Pathogenese der Psoriasis und der von Begleiterkrankungen.
 
Pathogenese der Psoriasis
Eine Psoriasis entwickelt sich durch die Aktivierung plasmazytoider dendritischer Zellen (pDC), die das proinflammatorische Zytokin IFN(Interferon)-a sekretierten, das seinerseits myeloide dendritische Zellen und die Freisetzung von IFN-y, TNF (Tumornekrosefaktor)-a, IL(Interleukin)- 1β und IL-6 zur Folge hat. Die durch Letzteres ausgelöste Produktion von IL-12 und IL-23 durch die dendritischen Zellen führt wiederum zur Aktivierung von Typ- 1-T-(Th1) und Typ-17-T(Th17)-Helferzellen. Die von Th1- und Th-17-Zellen entsprechend ausgeschütteten TNF-a und IL-17A, IL-17F sowie IL-22 aktivieren Keratinozyten, die ihrerseits eine Vielzahl verschiedener Zytokine, Chemokine und antimikrobieller Peptide sekretieren, die zu proinflammatorischen Reaktionen führen. Mit dem Fortschreiten einer Psoriasis sind dann erhöhte Serumspiegel der verschiedensten proinflammatorischen Zytokine wie TNF-a, IFN-g, IL-6, IL-8, IL-12, IL-17A und IL-18, im Vergleich zu gesunden Kontrollen, zu beobachten. Die Ausbreitung dieser innerhalb des menschlichen Körpers in verschiedene Organsysteme kann die Entstehung der Begleiterkrankungen erklären.
 
Begleiterkrankungen
Daten zeigten, dass im Zusammenhang mit einer Psoriasis auch ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVDs, cardiovaskular diseases), Diabetes mellitus, Adipositas, nicht alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), Psoriasisarthritis (PsA) sowie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auftrat, was wohl auf gemeinsame systemische inflammatorische Signalpfade der Pathogenese von Psoriasis und der der Begleiterkrankungen zurückzuführen ist. So wurden bei allen der aufgeführten Begleiterkrankungen auch erhöhte TNF-a Werte oder eine funktionelle Beteiligung des Zytokins in deren Pathogenese nachgewiesen. Auch andere Zytokine wie zum Beispiel IL-17, IL-6, IL-22 spielten nicht nur für die Psoriasis eine Rolle, was wiederum beweist, dass es sich bei Psoriasis um eine systemische Erkrankung handelt.
Daten aus retrospektiven Studien unterstützen somit die Hypothese, dass gegen Psoriasis-spezifische Zytokine eingesetzte Biologika auch in der Lage sein sollten, die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von CVDs bei Psoriasis-Patienten zu vermindern.
 
Therapiestrategien
Studien an immunvermittelten und entzündlichen Erkrankungen, wie Morbus Crohn und rheumatoider Arthritis (RA), zeigten, dass eine frühzeitige Gabe entsprechender zugelassener Biologika das Behandlungsresultat verbesserten.
Einige der biologischen Wirkstoffe, wie Antikörper gegen den TNF-a-Rezeptor (Etanercept, Adalimumab, Certolizumab, Infliximab) sind zudem für die Behandlung von milder bis schwerer Psoriasis und RA zugelassen – aufgrund der zentralen Bedeutung von TNF-ain Pathogenese der Erkrankungen. Mit der frühzeitigen Anwendung dieser Therapeutika erhofft man sich für die Psoriasis und die Begleiterkrankungen eine bessere Kontrolle der Erkrankung sowie Therapieerfolge. Das dies nicht illusorisch zu sein scheint, zeigen Daten vom Einsatz des IL-12/23-Inhibitors Ustekinumab bei Morbus Crohn, der zur Reduktion des C-reaktives Proteins (CRP) und der Erythrozytensedimentationsrate (ESR) führte. Nimmt man die Psoriasis also als eine systemische Erkrankung war, werden zwei Behandlungsziele immer realistischer: zunächst einmal Schäden aufgrund der systemischen Entzündung vorzubeugen bei gleichzeitiger Eindämmung des Fortschreitens der Psoriasis und der Begleiterkrankungen; ein weiteres ambitionierteres Ziel ist, existierende Entzündungsschäden und Begleiterkrankungen zu heilen. GH
Quelle: Korman NJ: Management of psoriasis as a systemic disease: what is the evidence? Br J Dermatol 2020; 182(4): 840-8.
ICD-Codes: L40.9

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