Corona

Arzt-Depesche 1/2021

Therapieverzögerung vermeiden

Anhand einer Metaanalyse über eine kurze Zeitspanne von vier Wochen hinweg konnte nun gezeigt werden, inwieweit eine frühzeitiger Therapiebeginn die Überlebenschancen bei Krebserkrankungen verbessern kann.
In die Metaanalyse wurden Daten aus 34 Studien mit 1.272.681 Patient:innen zu 17 häufigsten Krebserkrankungen eingeschlossen. Eine Therapieverzögerung wurde zwischen Diagnose und Therapiebeginn oder zwischen zwei aufeinanderfolgenden Therapien bestimmt.
Für 13 Indikationen war eine signifikante Assoziation zwischen den negativen Effekten einer Verzögerung der Behandlung um vier Wochen und der Mortalität nachzuweisen (s. Abb.). Bei Krebsoperationen entsprach eine solche Verzögerung einem Anstieg des Sterberisikos um 6–8 %, während bei Radiotherapie im Zusammenhang mit Kopf- und Halstumoren und bei adjuvanter systemischer Therapie beim kolorektalalen Karzinom (CRC) dies bei 9 % bzw. 13 % lag.
 
Gerade in Zeiten der COVID-19-Pandemie wird dieses Problem noch verschärft. So formulierten manche Länder im Zuge der Pandemie Richtlinien zum Vorgehen und zur Priorisierung bei Krebspatienten, die den Ergebnissen der vorliegenden Studie widersprechen. Für manche Indikationen, wie zum Beispiel für das CRC, wurde eine Therapieverzögerung von zehn bis zwölf Wochen als sicher erachtet, während die aktuellen Resultate darauf hinweisen, dass ein Herausschieben einer Operation beim CRC von sechs bis zwölf Wochen das Sterberisiko um 9 % erhöht.
Es sollte somit das Ziel sein, systembedingte Therapieverzögerung zu vermeiden, um die Überlebenschancen durch frühzeitige Behandlung zu verbessern. GH
Quelle: Hanna TP et al.: Mortality due to cancer treatment delay: systematic review and meta-analysis. BMJ 2020 Nov 4; 371: m4087. doi: 10.1136/bmj.m4087
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