Psoriasis | Arzt-Depesche 8/2019

Unbehandelt tödlicher Verlauf möglich

Die erythrodermische Psoriasis stellt eine seltene, schwere Verlaufsform der Psoriasis dar. Da sie unbehandelt in ein Multiorganversagen münden kann, ist eine rasche Diagnose und Therapie lebenswichtig, berichteten US-Wissenschaftler.
Sie schilderten den Fall einer dermatologisch nicht vorbelasteten 68-jährigen Frau, die nach einer Steroidinjektion aufgrund eines vermuteten Insektenstichs generalisierte papulosquamöse, nässende, konfluierende Plaques entwickelt hatte, die schließlich nahezu die gesamte Hautoberfläche bedeckten. Eine Erythrodermia psoriatica liegt vor, wenn die entzündlichen, erythematösen Plaques und Ödeme mehr als 75 % des Integuments betreffen, erläuterten die Forscher. Bei weniger als 3 % aller Psoriasis- Patienten nimmt die Erkrankung einen solch schweren Verlauf. Infolge des Volumenverlusts über die Hautläsionen befand sich die Patientin bei der Klinikaufnahme im Kreislaufschock mit akutem Nierenversagen. Eine familiäre Psoriasis- Belastung bestand nicht. Auch die Tuberkulose-, HIV- und Hepatitis-Diagnostik waren negativ. Wiederholte Hautbiopsien bestätigten die Diagnose „pustulöse Psoriasis“.
Nach Volumen- und Elektrolytsubstitution erholte sich die Nierenfunktion der Patientin und unter topischer Behandlung mit Triamcinolon, antibiotischer und antimykotischer Abdeckung zur Prophylaxe von Superinfektionen sowie Einleitung einer Infliximab-Infusionstherapie bildeten sich die Hautmanifestationen zurück. Nach sechs Wochen waren noch etwa 10 % der Hautoberfläche betroffen, und nach fünf Monaten war die Patientin nahezu beschwerdefrei.
Die Risikofaktoren für einen erythrodermischen Psoriasis-Verlauf umfassen eine positive Eigenbzw. Familienanamnese, eine HIV-Infektion sowie die Behandlung mit Immunsuppressiva, insbesondere systemischen Glukokortikoiden, schlossen die Wissenschaftler. Die Therapie besteht in der adäquaten Hydrierung, der Behandlung mit topischen Steroiden und Vitamin- D-Analoga, dem Management assoziierter Infektionen sowie der Gabe von Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin) bzw. Biologika (Infliximab). Bei kritisch kranken Patienten mit erythrodermischen Manifestationen, so ihr Fazit, sollte – insbesondere bei kürzlichem Absetzen von Immunsuppressiva oder Steroiden – differenzialdiagnostisch immer eine Erythrodermia psoriatica in Betracht gezogen werden. LO

Quelle: Rendo M et al.: An Uncommon Presentation of Erythrodermic Psoriasis in a Patient Without a History of Psoriasis. Cureus 2019; 11(7): e5099; doi: 10.7759/ cureus.5099
ICD-Codes: L53.9

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