Psoriasis | Arzt-Depesche 8/2019

Von der Genese zur Therapie

Neue Erkenntnisse zur Pathogenese der Psoriasis haben zu zahlreichen neuen Therapieoptionen geführt. Basierend auf der Genese der Schuppenflechte wurden einem Review nun aktuelle Behandlungsansätze und Neuentwicklungen zusammengefasst.
Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine nicht ansteckende Autoimmunkrankheit, die sich in erster Linie als in Schüben auftretende entzündliche Hautkrankheit manifestiert, aber auch nicht selten andere Organe betreffende Systemerkrankung hervorrufen kann.
 
Wie entsteht Psoriasis nun aber?
Bei der häufigsten Form, der Plaque-Psoriasis, sind meist Knie, Ellbogen, Kopfhaut und Steißbein betroffen. Eine seltenere Form, die Psoriasis guttata, ist die exanthematische Form der Psoriasis vulgaris, die infolge einer Infektionskrankheit (z B.durch Streptokokken) auftreten kann und vorwiegend am Rumpf, aber auch an den Extremitäten und an der Kopfhaut in Erscheinung tritt. Unter der Psoriasis pustulosa, die durch kleine sterile Eiterbläschen an Händen, Füßen, am Nagelbett oder auch am gesamten Körper charakterisiert ist, leiden ca. 5 % der Menschen weltweit. Alle Subtypen der Psoriasis sind jedoch durch gemeinsame Merkmale, wie Akanthose, Parakeratose, Neovaskularisierung und eine dichte Infiltration von dendritischen Zellen, Makrophagen, Neutrophilen und T-Zellen, gekennzeichnet.
Bei den verschiedenen Subgruppen können auch andere spezifische Signalpfade aktiviert werden. Es wurden genetische Loci identifiziert (allen voran PSORS1-9, Psoriasis Suszeptibilität 1-9), die einerseits den Einfluss genetischer Faktoren auf die Entwicklung der Erkrankung zeigen und andererseits aufgrund deren Lokalisation und Kopplungen den immunologisch bedingten Charakter der Krankheit unterstreichen.
 
Welche möglichen Therapieoptionen gibt es?
Bei milder bis moderater Psoriasis gehören die lokalen Behandlungen zur Erstlinientherapie, während bei moderatem bis schweren Grad Kombinationsbehandlungen mit oralen systemischen und biologischen Therapeutika sowie Phototherapie eingesetzt werden. Obwohl Dithranol- und Steinkohleteer-Präparate auch heute noch genutzt werden, kommen immer mehr topische Kortikosteroide (TCS), aber auch topische Vitamin-D-Analoga (Calcitriol, Tacalcitol) zum Einsatz. Calcineurin-Inhibitoren (TCI; Tacrolismus, Pimecrolismus) finden Off-label-Anwendung. Lokale Retinoide (Vitamin- A-Abkömmlinge), wie Tazarotene, zeigten in Kombination mit TCS eine erhöhte Wirksamkeit. Die Phototherapie als Mono- oder Kombinationstherapie stellt eine weitere Option zur Behandlung moderater bis schwerer Psoriasis dar. Bei systemischen Therapien für moderate bis schwere Psoriasis kommen Immunosuppressiva (Methotrexat, Cyclosporin A) aber auch Acitretin (Retinoid) zum Einsatz. Apremilast (Phosphodiesterase-Hemmer) wird zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis und Psoriasis-Arthritis angewandt. Zu den von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassenen Biologika für Psoriasis zählen TNF-a-Inhibitoren (Etanercept, Infliximab, Adalimumab, Certolizumab), IL-12-/IL-23-Inhibitor (Ustekinumab), IL-17-Inhibitoren (Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab), IL-23-Inhibitoren (Guselkumab, Tildrakizumab, Risankizumab) sowie der JAK(Januskinase)-Inhibitor, Tofacitinib. Für die JAK-Inhibitoren, Baricitinib und Peficitinib, laufen noch die Untersuchungen. GH
Im Allgemeinen geht der Entwicklung einer Psoriasis die Verletzung der Epidermis durch äußere Einflüsse (Köbner- Phänomen, Medikation, Infektionen) voraus. Durch die darauffolgende erhöhte Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine (Typ-1-Interferone, TNF(Tumornekrosefaktor)- a, IL(Interleukin)-1, -6, 12, -23) kommt es zur Differenzierung und Aktivierung dentritischer Zellen sowie von T-Helferzellen (TH1, TH17 und TH22).
Quelle: REVIEW Chovatiya R et al.: Pathophysiology of Atopic Dermatitis and Psoriasis: ... Children (Basel). 2019 Oct 4;6(10); pii: E108; doi: 10.3390/children6100108
ICD-Codes: L40.9

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.