Die dritte Seite | Arzt-Depesche 4/2018

Wie impfen?

Für Patienten vor bzw. nach der Transplantation eines soliden Organes wie z. B. der Niere sind Impfungen zur Infektionsvermeidung und für ein positives Gesamtoutcome essenziell. Klare Empfehlungen dazu gibt ein aktuelles Review aus England.

Terminales Nierenversagen (ESRD, end stage renal disease) und Langzeitdialyse kompromittieren das Immunsystem. Nach einer erfolgten Transplantation sorgen dann Immunsuppressiva für ein erhöhtes Infektionsrisiko. Da transplantierte Patienten in der Regel von Vakzinierungsstudien ausgeschlossen sind, gibt es kaum Daten zur Impfung von solchen Patienten. Man darf aber annehmen, dass die serologische Antwort auf eine Impfung durch die Immunsuppression abgeschwächt und variabel ausfällt.
Der Stellenwert von Lebendimpfstoffen wird kontrovers gesehen, denn durch die virale Replikation nach der Impfung kann es zu systemischen Infektionen kommen. Daher wird empfohlen, Impfungen mit Lebendimpfstoffen mindestens sechs Wochen vor einer geplanten Tx anzuwenden. Inaktivierte Impfstoffe gelten als relativ sicher und können entsprechend der Impfschemata der Allgemeinbevölkerung angewendet werden. Dennoch sollte man innerhalb der ersten sechs Monate nach Nieren-Tx auf Impfungen verzichten.
Der optimale Zeitpunkt für eine Impfung ist die Zeit VOR einer (Nieren-)Transplantation. Man sollte ausreichend Vorlaufzeit einplanen, damit sich nach der erforderlichen Anzahl an Injektionen Antikörpertiter bilden können, ohne dass das Transplantat gefährdet wird. Man sollte aber bedenken, dass eine Vakzinierung mit Lebendimpfstoffen das Ergebnis des Tuberkulin-Tests verfälschen kann. Dennoch sind die Serokonversionsraten bei Tx-Patienten schlechter als in der Allgemeinbevölkerung (in einer Studie zur Influenza-Impfung lag die bei ESRD und Post-Tx-Patienten bei 33 bzw. 42%; im Vergleich zu 82% bei der Kontrollgruppe). Mann sollte geimpfte Tx-Patienten also bzgl. der Impftiter häufiger monitoren und ggf. über Booster-Impfungen nachdenken.
Geeignete Impfungen für ESRD- und Prä-Tx-Patienten sind: Hepatitis B, Pneumokokken, HPV, Influenza, MMR, Röteln, Varicellen, DTP, Td/Tdap, Varicella-Zoster und BCG (Bacille Calmette Guerin). Als kontraindiziert nach einer Tx gelten: Influenza-Lebendimpfstoff, MMR, Varicellen, Varicella-Zoster, BCG, oraler Polioimpfstoff und Typhus. Entscheidend ist – wie erwähnt – mit einer Impfung mit inaktiviertem Serum mind. sechs Monate nach der Tx zu warten und auf Lebendimpfstoffe bei transplantierten Patienten völlig zu verzichten. CB

Quelle:

Gunawansa N et al.: Vaccination practices in end stage renal failure and renal transplantation; review of current guidelines and recommendations. World J Transplant 2018; 8: 68-74

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