Nierentransplantation | Arzt-Depesche 8/2020

Die orthotope Nierentransplantation

In einem Übersichtsartikel wurden aktuelle D Daten aus der Literatur zu Indikationen, Techniken und Resultaten von orthotopen Nierentransplantationen zusammengefasst.
Bedingt durch fortschreitende Atheromatosen haben Patienten mit einer terminalen Niereninsuffizienz (end stage renal disease, ESDR), die auf eine Nierentransplantation warten, immer öfter für vaskuläre Anastomosen unbrauchbare Iliakalarterien oder andere ungewöhnliche vaskuläre Anomalien. So sind unter anderem starke Arterienverkalkungen in den Ilikalarterien sowie mehrere vorangegangene Nierentransplantationen sowie für Nierendrainagen unbrauchbare Beckenvenen charakteristisch für diese Patienten, für die somit eine hetertope Nierentransplantation (heterotopic kidney transplantation, HKT) in die rechte oder linke Darmbeingrube (Iliac fossa) nicht infrage kommt. Eine orthotope Nierentransplantation (orthotopic kidney transplantation, OKT) könnte in solchen Fällen die Lösung sein.
 
Operationstechniken
1978 entwickelten Gil-Vernet und Mitarbeiter einen extraperitonealen Ansatz zur Behandlung der renovaskulären Hypertonie, indem sie mithilfe der Milzarterie stenotische Abschnitte der Arterie umgingen und so die Blutversorgung der Niere wiederherstellten.
Weitere Methoden zur renalen Revaskularisierung wurden später in der Literatur beschrieben. Soweit möglich wird die native Nierenarterie genutzt. Jedoch findet man normalerweise bei ESRD-Patienten atrophische Nieren vor, was einhergeht mit einem geringen Durchmesser der Nierenarterie, für die aufgrund der dadurch bedingten mangelhaften Blutversorgung eine alternative Arterie gefunden werden muss. Bietet die Milzarterie keine genügende Blutversorgung, könnte eine Anastomose zur Aorta oder zur Arteria mesenterica inferior eine Option darstellen. Eine Gruppe aus Kanada berichtete kürzlich über Erfahrungen und Techniken mit der OKT bei Patienten mit Erkrankungen der unteren Hohlvene, bei der sie zur Revaskularisierung der Nieren die Beckenschlagader durch Pfropfen verlängerten.
 
Indikationen für die OKT
Während bei den von Gil-Vernet beschriebenen Fällen 96 % junge Patienten ohne Atheromatosen oder andere vaskuläre Anomalien behandelt worden waren, wurden in den neueren Berichten zu 70,6 % unumgängliche OKT aufgrund schwerer Atheromatosen beschrieben.
In den kleineren Fallserien handelte es sich dabei meist um schwere Atheromatosen, unbrauchbare Iliac fossae, Thrombosen der unteren Hohlvene oder Harnumleitungen als Indikation für eine OKT (s. Tab. 1).
 

 

Auch die Diagnose eines Nierenzellkarzinoms (renal cell carcinoma, RCC) in nativen Nieren von ESDR-Patienten kann eine Indikation für eine OKT darstellen. Ein Risikofaktor für ein RCC ist die erworbene zystische Nierenerkrankung (acquired renal cystic disease, ARCD), deren Fortschreiten mit der Dauer der terminalen Niereninsuffizien korreliert und auch mit der Dauer der Dialyse.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es zu wenig Daten zur OKT, um adäquate Vergleichsstudien zwischen OKTs und HKTs durchführen und eine Aussage darüber treffen zu können, welche der beiden Methoden wann mit besserem Erfolg anzuwenden ist. Man kann jedoch schlussfolgern, dass eine OKT eine gute Option für Patienten ist, die sich nicht für eine HKT eignen. Zwar treten bei einer OKT mehr postoperative Komplikationen als bei einer HKT auf, die funktionellen Resultate einer OKT und einer HKT ähneln sich jedoch. GH
Quelle: Musquera M. et al.: Orthotopic Renal Transplantation: Indication, Technique and Outcomes. Curr Urol Rep 2020; 21(2): 14; doi: 10.1007/s11934-020- 0965-6

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