55. ERA-EDTA-KONGRESS, KOPENHAGEN | Arzt-Depesche 4/2018

Malignome nach Tx genau betrachtet – Abnehmen zur Risikoreduktion – CMV vorhersagen

Der ERA-EDTA-Kongress stellt für Nephrologen eines der Highlights im jährlichen Kongresskalender dar (European Renal Association, ERA, & European Dialysis and Transplant Association, EDTA). Es wurden über 2000 Abstracts eingereicht und 1788 zur Veröffentlichung akzeptiert. 11% der Abstracts beschäftigten sich speziell mit der Transplantation. Drei Poster mit besonders großer Praxisrelevanz stellen wir Ihnen hier im Rahmen unseres Kongressberichts vor.

Neue Daten zum onkologischen Risiko
 
Es ist bekannt, dass Patienten nach Transplantationen – und so auch nach einer Nierentransplantation – einem erhöhten Risiko unterliegen, maligne Erkrankungen zu entwickeln. Details dazu allerdings fanden sich in Studien bislang wenige, weshalb man an der Charité die Daten von 1417 nierentransplantierten Patienten retrospektiv auswertete. Man screente die Patienten auf nach der Tx de novo aufgetretene onkologische Erkrankungen (Post-Transplantations-Malignitäten).
Man fand insgesamt 179 maligne Erkrankungen bei 154 Patienten (11%). Das mittlere Alter bei Auftreten des Krebses lag bei 60,4 Jahren. In 23 Fällen fand man multiple Krebserkrankungen in einem einzelnen Patienten, und bei 16 Patienten entdeckte man den Krebs, nachdem sie nach einem Transplantatversagen wieder auf Dialyse angewiesen waren. Die Gesamtinzidenz für eine Post-Transplantations-Malignität berechnete sich demnach auf 1% pro Jahr. Mit 27% war das Nierenzellkarzinom der häufigste gefundene Tumor, gefolgt von gastrointestinalen (GI) und urologischen Karzinomen (17% bzw. 14%). Das Überleben war besonders schlecht bei Malignitäten unklaren Ursprungs (CUP, cancer of unknown primary) und bei Bronchial- und GI-Karzinomen. Ein besonders hohes Risiko fand man bei älteren und männlichen Patienten, bei Empfängern von Transplantaten Verstorbener und bei Patienten mit Z. n. Tx. Keinen Unterschied bzgl. des Malignitätsrisikos machte das Spenderalter, die HLA-Übereinstimmung und die Dialysedauer vor Tx.
 
Abnehmen bringt nichts
 
Adipöse Transplantationspatienten weisen ein erhöhtes Risiko für chirurgische Komplikationen, eine verzögerte Transplantatfunktion (DGF, delayed graft function), längeren Krankenhausaufenthalt und späteres Transplantatversagen auf – das ist bekannt. Wie aber ein mögliches Übergewicht bei Nierentransplantationspatienten und vor allem das Abnehmen nach der Tx sich auf diese Parameter auswirkt, das wurde nun in Barcelona retrospektiv anhand von Registerdaten (1990 bis 2011) untersucht.
Man fand, dass der Anteil adipöser Patienten zuletzt zugenommen hatte. Die Inzidenz eines DGF war bei adipösen Patienten signifikant höher (40 vs. 30%). Auch das Langzeit-Transplantatüberleben hing signifikant vom Körpergewicht ab: je adipöser die Patienten, desto kürzer das Transplantatüberleben. Das Patientenüberleben allerdings hing nicht vom Ausgangsgewicht ab. Bei adipösen Tx-Patienten sah man aber auch, dass Abnehmen nach der Transplantation in Bezug auf eine Verbesserung des Risikos (Mortalität und Transplantatversagen) nichts brachte.
 
CMV-Infektionen vorhersagen
 
Zytomegalievirusinfektionen (CMV) stellen eine Gefahr für transplantierte Patienten dar. Dabei ist die Inzidenz einer CMV-Infektion und von klinischen Komplikationen sehr von dem CMV-Serostatus von Spender und Empfänger abhängig (höchstes Risiko beim Status „Spender+“ und „Empfänger-“). Der NF-kB-Signalweg ist bei der Pathogenese der CMV-Infektion involviert (spezifischer Transkriptionsfaktor, der vor allem bei der Regulation der Immunantwort eine Rolle spielt), was bereits bekannt war. Nun untersuchte man, ob NF-kB-Polymorphismen als Prädiktor für CMV-Infektionen bei nierentransplantierten Patienten dienen können.
Dazu analysierte man den -94ins/del-ATTG-NF-kB-Polymorphismus bei 189 transplantierten Patienten. Alle waren zuvor „präemptiv“ gegen CMV behandelt worden. Eine CMV-Infektion war definiert als Virämie >650 Kopien/ml. Das „CMV-infektionsfreie Überleben“ betrug bei Patienten der ins/ins-Gruppe 54,7% und bei Deletionsträgern 79,4% (signifikanter Unterschied). In der multivariaten Regressionsanalyse sah man, dass Deletionsträger im Vergleich zu ins/ins-Patienten ein um 78% geringeres Risiko für eine CMV-Infektion aufwiesen. Zudem war die Deletion assoziiert mit einer besseren eGFR, geringeren Proteinurie und einem geringeren Risiko für ein frühes Transplantatversagen.
Ein Screening auf -94ins/del-ATTG-NF-kB-Polymorphismen könnte demnach CMV-Infektionen bei nierentransplantierten Patienten vorhersagen. Wenn diese Ergebnisse in größeren Studien reproduziert werden, könnte es sinnvoll sein, zukünftig eine CMV-Prophylaxe nur noch bei ins/ins-Patienten durchzuführen. CB

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