Histoplasmose | Arzt-Depesche 10/2015

Mehr als ein rauer Hals

Eine 78-jährige Patientin wurde an eine Klinik in Boston überwiesen, weil sie Schmerzen im Rachen rechts und Schluckbeschwerden hatte. Im Tonsillenbereich rechts fiel eine Raumforderung auf. Vorerkrankungen waren Diabetes und seronegative rheumatoide Arthritis; es bestand eine chronische Anämie.
Die Halsbeschwerden hatten sieben Wochen vorher begonnen. Bei der Untersuchung sah man ein starkes Exsudat im rechten Tonsillenlager. Es bestand eine Ulzeration zwischen posteriorem Pharynx und Larynx. Die Halslymphknoten rechts waren vergrößert. Die Beweglichkeit von HWS und Schulter war eingeschränkt. Unter den Laborwerten waren CRP und BKS erhöht. Fieber bestand nicht.
Ein Verdacht auf Plattenepithelkarzinom erhärtete sich nicht. Vielmehr zeigten sich in einer Biopsie aus dem Tonsillarbereich zahlreiche knospende Pilzelemente, vereinbar mit einer Histoplasma-Art. Man verabreichte empirisch Itraconazol. Der Zustand der Patientin verbesserte sich unter dieser Medikation rasch. Nach zwölf Tagen war sie schmerzfrei. Tests auf Histoplasma-Antikörper und auf Antigene des Pilzes in Serum und Urin waren positiv. In einer Pilzkultur wuchs nach vier Wochen schließlich auch Histoplasma capsulatum var. capsulatum.
Itraconazol wurde in voller Dosis weiter für ein Jahr verabreicht. Die Antigene waren nach einigen Monaten nicht mehr nachweisbar. Die immunsuppressive Medikation gegen rA könnte die Reaktivierung einer latenten Infektion mit dem Pilz begünstigt haben. WE

Quelle:

Durand ML et al.: Case 32-2014: A 78-year-old woman with chronic sore throat and a tonsillar mass. N Engl J Med 2014; 371: 1535-1543

ICD-Codes: B39

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.