Virtuelles ASCO Annual Meeting 2020 | Arzt-Depesche 5/2020

Neue Krebstherapien

Das ASCO Annual Meeting 2 2020, der weltweit größte indikationsübergreifende Krebskongress, fand diesmal aufgrund der COVID-19 Pandemie virtuell statt. Spezialisten der Onkologie aus aller Welt präsentierten in einem umfangreichen Programm modernste Behandlungsmethoden und neue Krebstherapien.
Nicht nur die neu ermittelten Cut-off- Werte aus der TAILORx-Studie, die es ermöglichen, noch selektiver zu entscheiden, ob Frauen mit Brustkrebs im frühen Stadium einer adjuvanten Chemotherapie unterzogen werden müssen bei gleichbleibender Prognose, nein, noch weitere neue erfolgsversprechende Therapieansätze für das Mammakarzinom wurden auf dem diesjährigen ASCO-Kongress vorgestellt.
 
Neue Therapieoptionen
In der HER2CLIMB-Studie wurde der hochselektive HER2(human epidermal growth factor receptor2)-Kinase-Inhibitor Tucatinib (TUC) in Kombination mit Trastuzumab (HER2/neu-Inhibitor, monoklonaler Antikörper) und Capecitabin (Nukleosidanalog) bei intensiv vorbehandeltem, HER2-positivem metastasierendem Mammakarzinom untersucht. Der Einsatz von Tucatinib führte bei Patientinnen mit aktiven Hirnmetastasen zu einer Verdopplung der allgemeinen Ansprechrate von 20 auf 47,3 % und zu einer Risikoreduktion der intrakraniellen Progression um 67 % und der des Versterbens um 51 %. Die FDA(U. S. Food and Drug Administration)- Zulassung liegt vor.
In einer randomisierten Phase-III-Studie zum Einsatz eines weiteren Checkpoint- Inhibitors, Pembrolizumab, (PD-1-Inhibitor; PD-1: programmed cell death protein 1) in Kombination mit Chemotherapie versus Chemotherapie allein bei unbehandeltem wiederkehrendem inoperablem oder metastasierendem triple negativem Mammakarzinom (mTNBC) zeigte sich eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (PFS: progression free survival) bei PD-L1(PD-Ligand 1)-positivem mTNBC mit einem CPS (Combined Positive Score) größer gleich zehn.
Mit der BYLieve, einer multizentrischen Phase-II-Studie, konnte das therapeutische Potenzial des Phosphoinositid- 3-Kinasen-Inhibitors Alpelisib in Kombination mit Fulvestrant, einem Östrogenrezeptorantagonist, bei HR+/HER2--PIK3CA-mutiertem fortgeschrittenem Mammakarzinom belegt werden. (HR+/HER2-: Hormonrezeptor/ human epidermal growth factor receptor; PI3KCA: Phosphatidylinositol- 3-Kinase-Gen; mit p110α-katalytischer Untereinheitwerden) Eine FDA-Zulassung liegt vor.
 
Ziel lokoregionaler Behandlung
Sechs Prozent der neu diagnostizierten Brustkrebspatientinnen haben eine primäre Fernmetastasierung. Eine randomisierte Phase-III-Studie widmete sich nun der Untersuchung des Einflusses der lokoregionalen Behandlungen (LRT) auf die Verbesserung der Überlebenschancen. Zwar bestand ein 2,5-faches Risiko für einen lokalen Krankheitsverlauf ohne LRT, jedoch konnte kein Unterschied bezüglich Gesamtüberleben und Lebensqualität gefunden werden zwischen fortlaufendender systemischer Therapie und frühzeitiger LRT bei Patientinnen mit denovo- metastasiertem Brustkrebs. Somit ist eine LRT bei diesen Patientinnen nicht mit Aussicht auf einen Überlebensvorteil verbunden und wohl nur sinnvoll bei lokaler Progression oder auf Wunsch der Patientin aus psychologischer Sicht.
 
Biomarker
Im Rahmen der Phase-III-Studie, KATHERINE, wurde bei Patientinnen mit einer Resterkrankung nach einer neoadjuvanten Chemotherapie und Trastuzumab (monoklonaler Antikörper gegen HER2; H), Foto:Abricotine – adobe.stock.com Virtuelles ASCO Annual Meeting 2020 Kongress Bericht digital DEPESCHE AR ZT die Substitution von Trastuzumab durch die adjuvanten Therapie Trastuzumab- Emtansin (T-DM1) untersucht sowie der Zusammenhang zwischen Biomarkern und dem Ergebnis der Therapie analysiert. Der Therapie-Erfolg von T-DM1 schien dabei unabhängig von allen untersuchten Biomarkern zu sein. Auch PI3KCA- Mutationen beeinflussten weder das Ergebnis der Therapie mit dem Antikörper- Wirkstoff-Konjugat T-DM1 noch das mit Trastuzumab.
Bekannt gegeben wurden Langzeitdaten der prospektiven MINDACT- Studie, die eine aus 70 Genen bestehende Gensignatur auf deren Einsatzmöglichkeit zur Vorhersage der Notwendigkeit einer Chemotherapie bei HR+/HER2--Patientinnen testete. Dabei wurde für die klinisch Hoch-/ genetisch-niedrig-(C-High/G-Low)-Risikogruppe der LN(lymphnote)-negativen und LN(1–3)-positiven HR+/HER2--Patientinnen gezeigt, dass auf eine adjuvante Chemotherapie (CT) verzichtet werden könnte. In der C-High/G-Low-Risiko gruppe konnte ein Vorteil im Fernmetastasenfreien Überleben (distant metastasis free survival, DMFS) unter CT nachgewiesen werden, jedoch nicht in der Gruppe der C-Low/G-High-Patientinnen.
Die Multigentestung könnte also helfen, den Traum einer chemotherapiefreien Behandlung zu verwirklichen. GH
ICD-Codes: U07.1

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