Varia | Arzt-Depesche 4/2018

Organe zweiter Wahl nicht verwerfen!

In den USA besteht, ähnlich wie bei uns, ein starkes Missverhältnis zwischen der Menge der verfügbaren Organe Verstorbener und der Zahl der Patienten auf den Wartelisten. Experten aus den Staaten machen Vorschläge, wie man diese Situation entschärfen könnte.

Die Bereitschaft, Organe zu spenden, ist nur ein Aspekt des Problems. Vielfach scheitert die Verwendung theoretisch verfügbarer Organe auch daran, dass solche als nicht brauchbar angesehen werden.
Werden Nieren älterer Spender jüngeren Patienten transplantiert, kommt es vermehrt zu Abstoßungsreaktionen. Dies ist aber nicht so ausgeprägt der Fall, wenn die Empfänger ebenfalls bejahrt sind. In den USA stammten im Jahre 1990 nur 1,9% der transplantierten Nieren von Spendern über 65 Jahren, in 2017 schon 4,9%.
Organe von Menschen mit hohem Infektionsrisiko etwa für HIV oder HCV wurden früher ungern verwendet. Man setzt sie nun aber häufiger ein, zumal sie meist von jüngeren Personen mit wenigen Begleitkrankheiten stammen. Von HIV- bzw. HCV-infizierten Menschen stammende Organe kann man transplantieren – auf Patienten mit derselben Infektion. Im Falle von HCV kann eine hochwirksame antivirale Therapie den Erreger eliminieren.
Suboptimale Organe können für suboptimale Patienten verwendet werden, z. B. für Diabetiker. Multimorbiden Patienten mit begrenzter Lebenserwartung ist mit der baldigen Transplantation eines Senioren-Organs besser gedient als viele Monate auf ein junges Organ zu warten.
Zu den Maßnahmen, die Spenderorgane in optimalem Zustand zu konservieren, gehören die Kreislaufstabilisierung und eine leichte Hypothermie des Körpers nach dem Hirntod. Das entnommene Organ wurde bisher in Hypothermie konserviert; neuerdings erzielte man jedoch besonders bei Lungen hervorragende Ergebnisse mit Normothermie. Auch bei der Transplantation von Nieren, Lebern und Herzen wurden Praktikabilität und Nutzen von normothermer Konservierung demonstriert. WE

Quelle:

Tullius SG, Rabb H: Improving the supply and quality of deceased-donor organs for transplantation. N Engl J Med 2018; 378: 1920-9

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