Immunologie | Arzt-Depesche 4/2018

Risikomarker bei IgA-Nephropathie

Die posttransplantationale Immunglobulin-A-(IgA-)Nephropathie galt lange als relativ benigne Störung – ein Trugschluss! Denn Studien zufolge endet die Erkrankung in 50% der Fälle im Transplantatverlust. Brasilianische Forscher klären über die wichtigsten Risikomarker auf.

An einem brasilianischen Zentrum analysierte man retrospektiv die Daten von 47 Patienten mit klinisch relevanter IgA-Nephropathie mit Proteinurie ≥1,0g/g und/oder Transplantatdysfunktion und mindestens sechsmonatigem Follow-up. 85% der Patienten hatten ein Transplantat eines Lebenddonors erhalten. Alle Patienten wiesen eine dysmorphe Hämaturie auf, die Mehrheit außerdem erhöhte Blutdruckwerte (95,7%), eingeschränkte Nierenfunktion (70,2%) und subnephrotische Proteinurie (60,6%). Histologisches Hauptmerkmal der IgA-Nephropathie gemäß Oxford-Klassifikation war mesangiale Proliferation, die in 91% der Fälle feststellbar war.
Offizielle Therapieempfehlungen gibt es nicht. In der untersuchten Kohorte wurden vorwiegend RAS-Blocker eingesetzt (89,4%) und das immunsuppressive Regime hochgeschraubt (83%). In 63,8% der Fälle wurden die Immunsupppressiva als venöse Pulstherapie verabreicht. Trotz der Therapiebemühungen erreichten weniger als die Hälfte der Patienten eine Teilremission, und nur 17% eine vollständige Remission. Ein Patient verstarb an einer Sepsis, und 31,9% der Fälle mündeten im Verlust des Transplantats.
Als wichtigste Risikofaktoren für einen Transplantatverlust erwiesen sich der prozentuale Verlust der glomerulären Filtrationsrate zum Zeitpunkt der Diagnose (HR 1,13; 95% KI 1,06-1,20; p<0,001), ein verstorbener Donor (HR 28,04; 95% KI 4,41-178,39; p<0,001) und das Alter des Donoren (HR 1,1; 95% KI 1,04-1,16; p=0,001). Der Nutzen von Immunsuppressiva, die mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen, bleibt in diesem Kontext kontrovers. OH

Quelle:

Cordeiro Cabral DB et al.: Clinical features, treatment and prognostic factors of post-transplant immunoglobulin A nephropathy. Ann Transplant 2018; 23: 166-75

ICD-Codes: N28.9

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