51. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

Arzt-Depesche

Trotz Pandemie die Haut im Auge behalten

Zwar stand die Online-Pressekonferenz zur 51. Tagung der DDG vorrangig unter dem aktuellen Thema – wie Dermatologinnen und Dermatologen den Herausforderungen von COVID-19 begegnen, nichtsdestotrotz wurden auch viele neue Erkenntnisse zur Behandlung von Neurodermitis, Psoriasis sowie zur Immunologie, Onkologie, zur Teledermatologie oder auch zur Prävention von Hautkrankheiten vorgestellt und diskutiert.

Therapie der atopischen ­Dermatitis
Die Atopische Dermatitis (AD) gilt immer noch als nicht heilbar jedoch als behandelbar. Im Fokus mehrerer Studien stand auch auf dem diesjährigen DDG der in der EU seit Herbst 2017 zugelassene monoklonale Antikörper (AK) – Dupilumab. Der in Form einer Systemtherapie angewandte AK richtet sich gegen die IL(Interleukin)-4Rα-Untereinheit der Typ-1- und Typ-2-Rezeptoren von B- bzw. T-Zellen, was wiederum zur gezielten Hemmung von IL-4 und IL-13 führt und somit weitere Reaktionen des überaktiven Immunsystems bei der Neurodermitis unterdrückt. In den klinischen Phase-III Studien LIBERTY AD CHRONOS und LIBERTY AD PED-OLE konnte jeweils eine langanhaltende Wirkung von Dupilumab bei Erwachsenen sowie bei Jugendlichen und Kinder im Alter von ≥ 6 bis < 12 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer AD gezeigt werden. Das Biologikum führte zu einer Reduktion der AD-Symptome sowie zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität.
Studiendaten zu dem humanen monoklonalen Anti-IL-13-Antikörperkörper, Tralokinumab, belegen, dass eine Therapie mit diesem AK über bis zu 52 Wochen eine Verbesserung der AD-Symptomatik bei erwachsenen Patienten nach initial partiellem Ansprechen bewirkt.  Die Wirksamkeit beruht wohl  auf der nachgewiesenen signifikanten Reduktion der S. aureus-Kolonisation in Hautläsionen bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer AD durch Tralokinumab.
Vorgestellt wurden Daten zu neuen Diagnoseverfahren bei AD-Patienten. So ließen sich mittels deep phenotyping adoleszenter und adulter Patienten mit AD und erhöhten Interleukin-13, Periostin und/ oder Dipeptidyl peptidase-4-Spiegeln anhand des Endotyps entsprechende phänotypische Prädiktoren charakterisieren, die es ermöglichen, Patienten zu identifizieren, die wahrscheinlich am meisten von einer IL-13 gerichteten Therapie profitieren.  
Andererseits führten Untersuchungen zu psychischen Komorbiditäten der AD zu dem Schluss, dass patientenorientierte Scores wie z.B. PO-SCORAD (patient oriented Severity Scoring of AD), POEM (Patient Oriented Eczema Measure) hilfreicher sind zur Erkennung von Risikopatienten als der EASI (Eczema Area and Severity Index).
Eine weitere Möglichkeit zur Minimierung der Krankheitslast bei AD-Patienten spiegelte sich in den Daten zum Einsatz der Temperature-controlled Laminar Airflow (TLA)-Technik zur Reduktion von Indoor-Allergenen bei Hausstaubmilben-sensibilisierten Patienten mit AD wieder, die erstmals positive Effekte zum Einsatz von TLA in diesem Zusammenhang aufzeigten.

Versorgungslage zur AD
GKV-Analysen in Deutschland zufolge nimmt die ambulante Versorgung zwar einen großen Stellenwert bei der Behandlung von Patienten mit AD ein und wird meist durch Hausärzte erbracht,    jedoch wurden 63 % der Patienten, die neu an einer AD erkrankten, nicht fachärztlich behandelt. Jeder Patient mit einer AD sollte jedoch zum Krankheitsbeginn eine zusätzliche dermatologische Meinung einholen, so das Fazit der Analyse. Weitere Untersuchungen zeigten, dass trotzdem ein großer Teil der von Dermatologen behandelten Patienten mit AD in Deutschland eine weitgehend leitlinienkonforme Behandlung erhält bei einem breiten Zugang zu Arzneimitteln, ein relevanter Teil der Patienten immer noch unter einer hohen Krankheitslast und somit geringen Lebensqualität leidet. Letzteres lässt darauf schließen, dass in der Arzneimitteltherapie eine relevante Uber-, Unter- und Fehlversorgung besteht. So erhielten Versicherte am häufigsten Corticosteroide der Klasse III (66 %), deutlich seltener eine Behandlung mit Calcineurin-Inhibitoren (6 %), während von den entzündungshemmenden Arzneimitteln vorrangig Glukokortikosteroide verordnet (25 %) wurden. Der Anteil mit Dupilumab betrug unter 1 %. Aus der nationalen Versorgungsstudie AtopicHealth 2 geht zudem hervor, dass trotz hoher klinischer Schweregrade bisher nur ein Teil der Patienten eine indizierte Systemtherapie erhält, so dass die verbleibenden subjektiven Belastungen der Patienten hoch und viele Therapeutika von den Patienten als unzureichend eingestuft wurden.

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